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Australien 2002

Im November 2002 befand ich mich für vier Wochen in Australien um bei den Gay Games VI. vom 02.11.02 bis 09.11.02 in Sydney teilzunehmen und um anschließend das Land ein wenig zu erkunden. Bei diesem internationalen Sportfest nahmen über 13.000 lesbische Sportlerinnen und schwule Sportler aus der ganzen Welt an 31 Sportarten teil – mehr als zwei Jahre vorher bei den olympischen Spielen in Sydney!
www.gaygames.org

Inclusion – participation – personal best
(einschließen – teilnehmen – persönliche Bestleistung)
Ein sehr umfangreiches Kultur- und Politprogramm begleitete die Games und sorgte für eine tolle Stimmung in der ganzen Stadt. Es fing schon mal mit einer gigantischen Eröffnungszeremonie am 02.11.02 im Aussie-Stadium an: Wir sammelten uns im Cricket-Stadion nebenan um dann – nach Ländern sortiert – einzulaufen. Dann gab es tolle Performances der australischen GastgeberInnen zur Geschichte Australiens und der dortigen Lesben- und Schwulenbewegung. k.d. lang und Jimmie Summerville machten Musik und am Schluss rundeten kurzweilige Ansprachen und ein Feuerwerk das Programm ab. So starteten wir die Gay Games mit viel Herzklopfen und Gänsehaut und natürlich einem starken Verbundenheitsgefühl.
Mit 137 anderen Menschen nahm ich in der Disziplin Tischtennis teil. An fünf – sehr heißen! – Tagen kämpften wir in fünf unterschiedlichen Leistungsklassen (A-, B- und C-Grade sowie FreizeitsportlerInnen und Menschen über 40 Jahre) in den Events "teams", "mixed", "doubles" and "singles" um die "medals".

Im Doppel B-Grade gewannen Jeany aus Neuseeland und ich Silber – nach Alexandra und Michaela aus Hamburg und vor Helen und Glenda aus Australien.

Im Mixed B-Grade holten Frank aus Berlin und ich Bronze – nach Ingo und Michaela sowie Jeany und Uwe.

So spielt man übrigens richtig Tischtennis:

  • ... der Tischtennisball rast auf mich zu, wird immer größer. Gebannt folgen die Augen der Bahn:
  • Kommt er links, rechts oder in der Mitte des Tisches?
  • Kommt er mit Unter- oder Oberschnitt, wie und mit wie viel Rotation?
  • Kommt er schnell oder langsam?
  • Wie verläuft seine Flugbahn, springt er kurz hinter dem Netz oder an der Grundlinie auf, wie hoch springt er ab und in welche Richtung?
  • Was will ich mit dem eigenen Schlag, soll ich angreifen oder abwehren, welche Möglichkeiten lässt mir der ankommende Ball?
  • Welche technischen Möglichkeiten beherrsche ich?
  • Wie soll ich mich zum Ball bewegen, soll ich ihn kurz nach dem Absprung, im höchsten Punkt oder in der fallenden Flugphase nehmen?
  • Mit der Vor- oder der Rückhand?
  • Wie wirken Geschwindigkeit, Richtung und Rotation des ankommenden Balles an meinem Schläger?
  • In welche Richtung will ich spielen, mit welchem Schnitt und wie schnell?
  • Wie muss ich die Schlägerstellung, Bewegungsrichtung des Schlages, Schlaggeschwindigkeit einsetzen, um den ankommenden Ball zu meistern und auch den geplanten Schlag auszuführen?
  • Wie muss ich mich stellen, um den Schlag ausführen zu können?
  • Ich habe alles entschieden! Technisch und taktisch eine Meisterleistung! Allein – der Ball ist nicht mehr zu sehen! Meine Gegnerin macht mich höflich darauf aufmerksam, dass er hinter mir liegt. Tja, so war das leider... ;-)

Sydney liegt in einer wunderschönen großen Bucht, die wiederum vielfach unterteilt ist. An einer Landzunge ragt die Oper weithin sichtbar in das Hafenbecken.

Etwas außerhalb der Stadt finden sich sandige Pazifikstrände – wie hier der Bondi-Beach – mit hohen Wellen, die zum Surfen einladen.

Nach diesem Mega-Event in der Großstadt mit so vielen Menschen holte ich mir meinen Hi-Top-Camper von Britz ab und machte mich allein auf den Weg nach Norden, immer an der Ostküste entlang. Links von mir erstreckte sich die meiste Zeit die "Great Dividing Range", eine Bergkette, die das fruchtbare Küstenland vom Outback trennt.

Diese Reise war wirklich eine "Erfahrung", die mich zu folgendem Bild inspiriert hat: "Er-FAHR-ung". In diesem Bild ist auch die Strecke von Sydney nach Cairnes eingezeichnet.

Auf dieser 13-tägigen Fahrt vermied ich Städte und besuchte vor allem die wunderschönen Nationalparks.
Der erste Weg führte natürlich in die Blue Mountains und hier zu den Wentworth-Falls, die allerdings – wie alle Wasserfälle zu dieser Zeit – nur spärlich Wasser führten.

Im Myall Lakes Nationalpark, den ich erst abends erreichte, sah ich zum ersten Mal in meinem Leben Delphine! Das war wirklich ein ganz besonderer Moment für mich, den ich dann daheim auch gleich in Speckstein festhielt: "Die erste Begegnung".

Als ich am nächsten Morgen wieder an den Strand ging und in der Mitte dieses Labyrinthes stand, welches ich in den Sand ging, tauchten plötzlich erneut die Delphine direkt vor mir in der Brandung auf ...

Koalas beobachtete ich leider nicht in der freien Wildbahn, aber zumindest in einem Billabong Sanctuary – einem kleinen Zoo – wie sie in Australien oft zu finden sind. Wirklich erstaunliche Tiere mit einem sehr weisen Gesichtsausdruck. (Den hätte ich vielleicht auch bei 20 Stunden Schlaf am Tag! ;-))

In der Nachbarschaft der Koalas wohnen dann natürlich auch gleich die Känguruhs und ihre kleinen Verwandten, die Wallabies. Hier trinkt im Hintergrund grad ein Kleines seine Mama leer.

Der Dorrigo-Nationalpark, ein subtropischer Regenwald, hat mir am besten gefallen. Vielleicht weil es der erste war, den ich gesehen habe, vielleicht aber auch wegen der tollen Wanderwege, der "Regenwald-Dusche" und wegen dieses "Skywalks" – ein hölzerner Steg der zu einer Aussichtsplattform über den Blätterdächern des Regenwaldes führt.

Der Lamington Nationalpark liegt ebenfalls auf ca. 1.000 Höhenmetern oben in der Great Dividing Range. Wenn man da aus den niedrigeren Lagen durch teilweise verbrannte Busch-Landschaft fährt, ist es kaum zu glauben, dass es dort oben auf dem Berg, einer großen Oase gleich, einen subtropischen Regenwald gibt, wo diese bunten Vögel einfach so frei herumfliegen wie sich das gehört!

Auf meiner 20 Kilometer langen Wanderung durch den Regenwald, auf der es nach etwa dem ersten Viertel der Strecke unaufhörlich zu regnen begann, begegneten mir nur zwei Menschen, 18 sehr aufdringliche Blutegel und dieses ca. 15 cm große blau-weiße Bachkrabbentier! Mitten im Wald! Das war wirklich eine Überraschung, zumal es mich sehr an unser neues EDV-Programm "KraBBe" der Bayerischen Beamtenkrankenkasse erinnert. Da passt das Blau-Weiß auch wirklich gut! :-))

Auf Moreton Island, einer Insel ca. 75 Kilometer vor Brisbane, verbrachte ich eine Nacht im Tangalooma Wild Dolphin Resort um dort die wilden Delphine, die jeden Abend an den Strand kommen, mit Fischen zu füttern. Ein unvergessliches Erlebnis, welches mich sogar vergessen ließ, dass ich des Nachts im strömenden Regen und bei kaltem Wind im Flutlicht bis zum Bauch im Wasser stand ... Diese wunderschönen Tiere so nah! Am nächsten Tag kam dann wenigstens die Sonne ein wenig durch. Hier die Ansicht des schön versteckten Tangalooma Resorts bereits vom Katamaran aus.

Die Australier habe ich übrigens als sehr freundliche und hilfsbereite Menschen kennen gelernt, deren "no worries!" (zu Deutsch: "dua di net obi", "bast scho" oder "mach dir keine Sorgen") mich überallhin und immer noch begleitet. Die einzige "Anmache" kam von diesem prächtigen Mr. Brush Turkey, der meinte, mich anbalzen zu können – wohl nur weil ich kochen kann! Tststs ... Wobei das Angebot schon verlockend war: Baut er doch für seine Liebste ein großes Laubhaufennest, das durchaus ein bis zwei Meter hoch und drei bis vier Meter im Durchmesser sein kann. Dort hinein legt sie ihre Eier, die sich dann durch die Wärme im Laub selbst ausbrüten. Nach dem Schlüpfen sind die Kleinen bereits alleine lebens- und flugfähig. Davon könnte frau sich doch noch was abschauen, oder!?

Die Tierwelt hat mich daheim dann dazu angeregt, aus lufttrocknender Modelliermasse Tiere zu basteln. Und weil das so lustig war, verzierte ich den Brush Turkey mit den Federn, die ich dort im Urlaub gefunden habe!

Weiter im Norden verließ ich dann die Küste um mich ins Outback zu begeben. Ziel: Übermorgen um 13.00 Uhr beginnt meine geführte Wanderung im "Undara Lava Tubes Nationalpark". Die Straßen dorthin sind wirklich so, wie ich mir dachte, aber immerhin ist die Mitte geteert. Kommt Gegenverkehr, müssen eben beide zur Hälfte in das sandige Bankett ausweichen, was dazu führt, dass man vor lauter aufgewirbeltem Sand nichts mehr sieht, aber: no worries ...

Neben den Straßen liegen leider überfahrene Tiere in allen Verwesungsstadien. Die zahlreichen Termitenhügel links und rechts der Straße erschienen mir irgendwie wie die Grabsteine dieser vielen großen und kleinen Tiere ... Immerhin habe ich es auf diesen 4000 Kilometern zum Glück geschafft, dass ich kein Tier überfuhr, nicht geblitzt wurde und mir nicht das Benzin ausging – auch wenn das manchmal fast auf den letzten Tropfen war!

Die Lava-Röhren von Undara waren mit ihrem Durchmesser von bis zu 16 Metern dann wirklich beeindruckend. Diese Lavaströme sind bis zu 100 Kilometer lang geflossen. Undara heißt ja auch: "Weiter Weg". Entdeckt hat man sie nur, weil sie an manchen Stellen eingebrochen sind. Der Guide konnte ganz klasse Deutsch – denn immerhin konnte er batguana mit Fledermausscheiße übersetzen. :-)) Auf dem Bild sieht man eine Röhre von innen.

Auf meiner anschließenden Solo-Busch-Trecking-Tour faszinierten mich vor allem die Zikaden. Die machen ja so einen Höllen-Lärm! Nachdem sie ca. sieben bis 14 Jahre in der Erde leben, kommen sie heraus, klettern auf einen Baum, wo ihnen zum letzten Mal förmlich "der Kragen platzt", und steigen dann aus ihrer vorletzten Haut. Dann fliegen die Männchen alle auf einen Baum und versuchen mit Ihrem Lärm die Ladies auf sich aufmerksam zu machen (was ich mir nicht schwierig vorstelle, weil so taub kann überhaupt niemand sein!). Daraufhin leben sie noch 14 Tage in der Hoffnung "eine abzukriegen". Daher der Lärm – aber das kennt frau ja ... ;-) Auf diesem Foto sieht man die leeren Hüllen dieses Stadiums:

Als ich da so auf einem großen Granithaufen stand und in allen Richtungen nur Natur sehen konnte, da fühlte sich das einfach an wie: mein Normalzustand sein sollte!

Auch auf dieser Tour war ich unterwegs bis die Sonne unterging.

Am letzten Tag meiner Campertour durchquerte ich die Atherton Tablelands – eine fruchtbare Hochebene – und kam an einem der wohl meist fotografiertesten Bäume vorbei: dem Curtain Fig Tree (Vorhang-Feigen-Baum). Die Samen dieser faszinierenden Würgefeigen werden durch die Ausscheidungen von Vögeln in andere Bäume gebracht, wo sie ihre Luftwurzeln bis zum Boden wachsen lassen und den Gastgeberbaum im Laufe der Zeit einweben und erwürgen. Das dauert bis zu 200 Jahre, dieser Baum hier ist allerdings schon mehr als 1000 Jahre alt. Dann stirbt der Gastgeber ab und die Wurzeln des Feigenbaumes sind bereits so stark, dass sie selbst dastehen wie ein Baum. In diesem Fall ist aber ein Gastgeber mitsamt seinem Parasiten in einen anderen Baum hinein gefallen. In der Folge wuchsen diese Luftwurzeln dann vorhangartig weiter nach unten. Mit fast 20 Metern ein Riesengewächs!

Im tropischen Cairnes im Norden, dem Tor zum Great Barrier Reef, musste ich dann nach 13 Tagen schweren Herzens mein schönes Wohnmobil wieder hergeben. Schade, denn mit dem Linksverkehr kam ich als Autofahrerin besser zurecht als zu Fuß ...
Am nächsten Tag unternahm ich mit Ocean Spirit Tours eine Katamaran-Fahrt zum Great Barrier Reef. An Bord erhielt ich meinen Begrüßungs-Kaffee von James, einem vor über 30 Jahren ausgewanderten netten Deutschen. Obwohl so das erste Gespräch nach 14 Tagen ein wenig ungewohnt war – vor allem auf Deutsch! Beim Mittagsbuffet unterhielt ich mich mit John aus Amerika, ein sympathischer älterer Mann. Im Laufe des Gespräches stellte sich dann heraus, dass er ebenfalls an den Gay Games teilgenommen hat! So klein war Australien zu dieser Zeit!

Am Great Barrier Reef steuerten wir das Upolu-Cay an: Eine Sandbank, um die es sich herrlich schnorcheln lässt. Erneut sah ich vom Glasbodenboot aus Delphine an uns vorbei ziehen, die jedoch leider nicht auf mich warteten ... Die Unterwasserwelt hat mich sehr beeindruckt, weil ich so etwas auch zum ersten Mal sah. Ich war so fasziniert, dass ich sogar vergaß mich zu erschrecken, als ein schöner Riffhai vor mir vorbei schwamm ... Ich sah Fische, die so bunt sind, dass es mir unfassbar erschien. (Ich dachte immer, solche psychedelischen Farben sieht man nur, wenn man sich Drogen einwirft!)

Am nächsten Tag ging dann schon zu sehr früher Stunde mein Flugzeug ins rote Zentrum des Kontinents. Dort war ich in eine 25-köpfige Reisegruppe von Adventure-Tours integriert, die innerhalb von drei Tagen mit einem kleinen Reisebus die interessantesten Plätze ansteuerte und in fest eingerichteten Campingplätzen residierte. Auch hier traf ich auf drei Holländerinnen, die an den Gay Games teilgenommen hatten!

Das erste Ziel im Nationalpark "Kata Tjuta/Uluru" waren die "vielen Köpfe – die Kata Tjuta". An dem Tag regnete es auch erstmal und so sah ich vormittags noch kleine Wasserfälle an den runden Felshügeln herabfließen.

Den Sonnenuntergang schauten wir uns dann beim Uluru - bei uns eher als Ayers Rock bekannt - an.

Nach der Umrundung des Uluru am nächsten Morgen (9,6 Kilometer) machten wir uns auf zum Watarrka-Nationalpark – zum Kings Canyon. Dort unternahmen wir auch gleich in den Morgenstunden eine sehr beeindruckende Wanderung. Die verwitterten Felsformationen sahen aus wie eine verlassene Stadt, daher der Name "lost city".

In einer acht Kilometer langen Rundwanderung kamen wir dann zu dieser spektakulären Schlucht, die über 100 Meter hoch und einen Kilometer lang ist.

Auf der Fahrt nach Alice Springs wurden wir von einem sehr heftigen Gewitter überrascht und wir konnten miterleben, wozu eigentlich mitten im Outback diese "floodways" mit den Pegeln daneben gut waren: plötzlich überquerte nämlich vor uns ein breiter Fluss die Straße, der da eine Stunde früher sicher noch nicht war! Nachdem wir ihn durchquert hatten, kamen wir dann auch irgendwann in Alice Springs an.
Am anderen Tag ging der nächste Flug an die Westküste des Kontinents nach Perth. Ganz froh, wieder allein zu sein, setzte ich mich mit einem Buch und Obstsalat in einen Park und verbrachte den ganzen Nachmittag relaxed und lesend bis ich dann abends den Heimflug antrat.

Das nur als kleiner Einblick in meine Erinnerungen an eine für mich sehr außergewöhnliche Reise. Was ich hoffentlich für immer mitgenommen habe, ist dieses entspannende
"no worries!" :-))

Ein besonderer Dank an dieser Stelle an das Münchner Reisebüro Australia Plus!
Da klappte alles perfekt.

Mehr Infos unter: www.australien-info.de.